In diesem Artikel geht es zunächst um das Alpaka als Tier, seine Entwicklung und genetische Herkunft, also die Vorgeschichte und die daraus für uns resultierenden Möglichkeiten.
Alpakas Alpakas

 

Zunächst zu der Herkunft und Geschichte unserer heutigen Alpakas:

Die ersten Funde von Vorfahren der Kameliden, aus denen sich später die so genannten Neu- und Altweltkameliden entwickelten, stammen aus Nordamerika und sind 30 – 40 Millionen Jahre alt.

Von hundegroßen Kleinsäugetieren entwickelten sich verschiedene Kamelverwandte, von denen die meisten in der Folgezeit ausgestorben sind (wie das Riesenkamel).

Vor etwa 3 Millionen Jahren sind die Nachfahren der ersten Kamele über die damals noch begehbare Beringstraße zwischen Alaska und Ostsibirien nach Asien ausgewandert. Aus diesen entwickelten sich die heutigen Kamele und Dromedare, die heute als „Altweltkameliden“ bezeichnet werden.

Von den in Nordamerika verbliebenen Kameliden wanderten in der Folge auch welche nach Südamerika weiter und konnten hier, wie ihre Verwandten in Asien, bedingt durch eine Besonderheit ihres Bluts fast den gesamten Kontinent erobern.

Bei dieser Besonderheit handelt es sich um ein verändertes Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff, der Sauerstoff im Blut bindet:

Die nicht runden, sondern ovalen roten Blutkörperchen können durch dieses besondere Hämoglobin auch in großer Höhe noch Sauerstoff unverändert gut aufnehmen und transportieren. Nur dadurch ist es den Neuweltkameliden in Südamerika möglich gewesen, der drohenden Ausrottung zu entgehen.

Es ist noch immer nicht klar, warum vor ca. 10.000 Jahren die Kameliden Nordamerikas ausgestorben sind.

In Südamerika entwickelten sich, ähnlich wie in Asien, ebenfalls 2 Formen der Kamele: die kleineren Vicunjas und die größeren Guanacos.

Da beide viele Jahrtausende lang zu den größten Säugetieren Südamerikas gehörten, ist es nicht verwunderlich, dass die Einheimischen schon früh begannen, sie sich nutzbar zu machen. Erste Versuche, das Vicunja dahin zu verändern, dass es von seiner wunderbaren Faser (die heute immer noch als das Non-Plus-Ultra der Naturfasern gilt) mehr im Jahr produziert, reichen 5000 Jahre zurück!

In der Folgezeit entstanden große, nach Farben streng getrennte Alpakaherden, deren Tiere eine Faser aufwiesen, wie wir sie heute noch nicht wieder erreichen konnten:

Mit der Curvature und der Feinheit des Vicunjas (Curvature über 90 und Feinheit zwischen 11 und 15 Micron!) und der Menge der heutigen Alpakas (2-4 Kilo pro Tier).

Parallel dazu wurden die größeren (und in ihrer Faser nicht viel schlechteren) Guanacos als Lastenträger gezüchtet. Hier gibt es inzwischen unterschiedliche Zuchtrichtungen, unter anderem ebenfalls Fasertiere, die Wooly-Lamas.

Die biologische Einordnung der Alpakas möchte ich hier der Vollständigkeit halber auflisten:

Alpakas gehören zur Ordnung der Paarhufer, sowie der Unterordnung der Schwielensohler. In dieser Unterordnung sind sie die einzigen.

Damit sind alle Schwielensohler auch Kameliden und umgekehrt.

Die Familie der Kameliden hat verschiedene Gattungen, darunter die des Vicunja.

Die Art Alpaka gehört also zu den Vicunjas, da sie ja aus diesen gezüchtet wurden (inzwischen durch DNA-Untersuchungen erwiesen)

Alle Kameliden können untereinander gekreuzt werden, vermischen sich in der Natur aber normalerweise nicht.

Die Kreuzungen sind zumeist durch menschlichen Einfluss entstanden, um bestimmte Zuchtziele schneller zu erreichen: Feinere Faser mit höherer Curvature vom Vicunja (hier gibt es eine besondere Bezeichnung: das Ergebnis heißt Paco-Vicunja und ist sehr begehrt zur weiteren Einkreuzung) oder mehr Körpergröße von Guanaco oder Lama (dafür weniger Menge, schlechterer Bewollungstyp und Dichte).

Kreuzungen der Neuweltkamelien nennt man Huarizos, die meist durch künstliche Befruchtung entstandenen Kreuzungen zwischen Alt- und Neuweltkameliden werden je nach Kulturkreis Tulus oder Camas genannt.

Alpakas lebten ursprünglich in nahezu allen Landesteilen Südamerikas mit Ausnahme der feucht-warmen Gebiete des Regenwalds.

Erst nachdem die einwandernden Europäer begannen, die Nahrungskonkurrenten ihrer Rinder und Schafe konsequent zu dezimieren (und damit auch deren Besitzer, die Ureinwohner), kam es zu der heute bekannten Bevorzugung der Hochgebirgsregionen.

Sie waren ja durch ihr besonderes Hämoglobin (den Blutfarbstoff) sehr geeignet für ein Leben in großer Höhe, ihre Besitzer haben sich angepasst. Auch die trockene und eher kalte Luft ist für Alpakas mit ihrer dichten Bewollung sehr gut geeignet, denn vergessen wir nicht: sie sind eine Zuchtform, sie wurden jährlich geschoren.

Heute leben die meisten Alpakas in Peru, gefolgt von Chile, Bolivien und Ecuador, vereinzelt aber auch in anderen südamerikanischen Ländern.

Weitere größere Bestände außerhalb Südamerikas finden sich in USA, Australien/Neuseeland und in Europa, hier vor allem in Großbritannien.