Die vom 3. bis 7. April 2020 geplante Herdbuchprüfung wird aufgrund der aktuellen Situation in Bezug auf den Corona-Virus nicht durchgeführt.

Diese Entscheidung ist uns schwer gefallen, aber wir möchten auch von unserer Seite alles tun, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern.

Sollte sich die Situation zeitnah stabilisieren und noch vor der Schur ein Termin möglich sein, dann werden wir die Herdbuchprüfung wie geplant durchführen. Wir halten Euch dazu auf dem Laufenden.

Anmeldeformular AAeV Herdbuchprüfung 2020

Präsentation zur Vorstellung der AAeV Herdbuchprüfung 2020

Herdbuchteam

Als Richter wird Robin Näsemann dabei sein, als Tierarzt in bewährter Weise Prof. Dr. Thomas Wittek. Begleitet werden Richter und Tierarzt von drei Personen des Herdbuchteams.

Robin Näsemann und Thomas Wittek haben bereits den ersten Pilotdurchgang begleitet und sind vertraut mit dem Konzept, das neben einem neuen Bewertungssystem auch eine Herdenevaluation mit Herdenscreening und vor allem Zeit für spezielle Fragen und Gespräche mit den Züchtern vorsieht.

Anmeldung und Teilnahmevoraussetzungen

  • Teilnehmen können Mitglieder der AAeV.
  • Bei Vorstellung von mindestens 8 Tieren zur Einzeltierprüfung mit anschließendem Eintrag in das Herdbuch wird diese Farm vom Herdbuchteam besucht. Auf dieser Farm können dann zusätzlich auch Nachzuchten oder Zuchtgruppen zur Herdenevaluation/zum Herdenscreening vorgestellt werden (siehe unten).
  • Wie bisher können Tiere zur Einzeltierprüfung auch auf einer benachbarten Farm vorgestellt werden.
  • Voraussetzung zur Teilnahme an der Einzeltierprüfung: Das Tier muss beim AAeV registriert und zur DNA-Typisierung angemeldet sein, nach einer Regelschur (nicht Fohlenschur) das zweite Vlies auf dem Körper tragen, mindestens 45 Kilogramm wiegen bei einem Bodyscore von mindestens 2 und mindestens 80 cm groß sein (gemessen am Widerrist).
  • Wenn im Rahmen der Herdbuchprüfung vom Tierarzt eine Hautbiopsie zur Bestimmung der Follikeldichte entnommen werden soll, dann muss das Tier mindestens 18 Monate alt sein.
  • Auf den besuchten Farmen sind mindestens 3 Hilfspersonen bereitzustellen.

Kosten

Um die Herdbuchprüfung für  unterschiedliche Farmgrößen attraktiv zumachen, werden zunächst Pauschalpreise berechnet mit folgender Staffelung:

Farmen mit mindestens 8 Tieren zur Einzeltierprüfung plus Herdenevaluation und Herdenscreening:

  • 8 – 15 Tiere zur Einzeltierprüfung 700 Euro
  • 16 – 20 Tiere zur Einzeltierprüfung 1.000 Euro
  • 21 – 25 Tiere zur Einzeltierprüfung 1.200 Euro
  • 26 – 30 Tiere zur Einzeltierprüfung 1.500 Euro

1 bis 7 Tiere können zur Einzeltierprüfung wie bisher auf einer Nachbarfarm vorgestellt werden zum Preis von 90 Euro/Tier.

Im Rahmen der Herdbuchprüfung kann auf Wunsch vom Tierarzt eine
Hautstanzung/Hautbiopsie zur Bestimmung der Follikeldichte, des S/P-Ratio und weiterer Parameter durchgeführt werden. Die Kosten einschließlich Analyse durch Alpaca Consulting USA betragen 150 Euro/Probe.

Nachstehend eine erste Einführung zum neuen Herdbuchkonzept:

Was ist eine Herdbuchprüfung?

Bei der Herdbuchprüfung wird die grundsätzliche Zuchteignung eines Tieres festgestellt sowie eine Zuchtwertschätzung anhand festgelegter Kriterien vorgenommen. Für die Zuchtwertschätzung wird der Phänotyp, also die sichtbaren Merkmale eines Tieres beurteilt, bewertet und beschrieben. Anhand dieser Bewertung und Beschreibung wird ein Merkmalsprofil erstellt, das als Hilfe für Selektionen und Anpaarungen zur Umsetzung  individueller Zuchtziele gedacht ist.

Welche Merkmale dann aber tatsächlich vererbt werden, zeigt erst eine systematische Beurteilung der Nachkommen. Erst auf Grundlage der Informationen über die Nachkommen können Rückschlüsse auf den Genotyp – also die Gesamtheit der genetischen Merkmale – und damit auf den tatsächlichen Zuchtwert eines Tieres gezogen werden. Deshalb wird anhand der Zuchtwertschätzungen der beiden Elterntiere sowie der Nachkommen der Zuchtwert eines Tieres im Zuchtbuch berechnet.

Ziele der Herdbuchprüfung 2020

Ein wesentliches Ziel des neuen Konzepts ist die Nachvollziehbarkeit, die Transparenz und Vergleichbarkeit der Bewertung – auch über die Jahre hinweg. Im Vordergrund stehen dabei die Faser und deren Verarbeitungsqualität für hochwertige Produkte.

Bewertungs- und Beurteilungssystem

Das Bewertungs- und Beurteilungssystem basiert auf dem aktuellen Stand des Wissens und der Wissenschaft. Nachstehend findet Ihr eine erste Einführung zur Bewertung und Beurteilung der Tiere.

Körper- und Gesundheitsmerkmale

Im ersten Schritt durchlaufen die Tiere bei der Einzeltierprüfung eine
ausführliche tierärztliche Untersuchung. Die Erfüllung grundlegender
Anforderungen an Körperbau und Gesundheit wird als Voraussetzung für die Zuchteignung angesehen und deshalb nicht mit Punkten bewertet.

Geprüft werden dabei Merkmale, die für Gesundheit und Zucht relevant sind. Ästhetische Aspekte werden nicht mit einbezogen. Abweichungen bei Körper- und Gesundheitsmerkmale, die nicht unmittelbar zum Ausschluss führen, werden dokumentiert und im Herdbuchzertifikat beschrieben.

Merkmale, die zum Ausschluss führen können, sind: Kopf- und
Kieferasymmetrie, Über-/Unterbiss über 4 mm, Zahnfehlbildungen, Fehlbildungungen der Nase/Atemwege, ausgeprägte Fehlbildungen der Hoden/Vulva, Taubheit, Blindheit, überzählige Zehen, Deformation des Schwanzes.

Eine Hodengröße unter 30 mm oder ein Zahnwechsel führt zu einer Rückstellung und ggf. zur Wiedervorstellung.

Bewertungsmerkmale

Für die Herdbuchprüfung und Zuchtwertschätzung wird als wirtschaftlicher Nutzen eines Alpakas die Faser und deren Verarbeitungsqualität für hochwertige Produkte zugrundegelegt.

Es werden ausschließlich Fasermerkmale mit Punkten bewertet, die messbar oder quantifizierbar und damit (weitgehend) objektivierbar sind:

  • Faserdurchmesser (MFD)
  • Standardabweichung (SD)
  • Variationskoeffizient (CV)
  • Komfortfaktor (CF)
  • Stapellänge (SL)
  • Anteil Granhaare/Medullierung (MED)
  • Spannweite des mittleren Faserdurchmessers aus der Gridprobe (SPW Micron)

Für jedes dieser Merkmale wurde auf Basis der Fasermessungen der vergangenen Herdbuchprüfungen ein sogenannter Rassedurchschnitt ermittelt, also der Wert, den die meisten Tiere erreicht haben (Median). Für den Wert, der den Rassedurchschnitt repräsentiert, werden jeweils 50 Punkte vergeben. Beispiel: Der Rassedurchschnitt für den mittleren Faserdurchmesser (MFD) bei Huacaya liegt bei 22,5 Micron und erhält damit 50 Punkte.

Zuchtklassen

Ausgehend vom Rassedurchschnitt werden folgende Zuchtklassen festgelegt:

  • 100 – 60 Punkte Zuchtklasse Exzellent (ZK/E)
  • 59 – 50 Punkte Zuchtklasse Fortgeschritten (ZK/F)
  • 50 Punkte = Rassedurchschnitt
  • 49 – 30 Punkte Zuchtklasse Standard (ZK/S)
  • 29 – 0 Punkte Zuchtklasse Mindeststandard (ZK/MS)

Es ist also möglich, dass die einzelnen Fasermerkmale eines Tieres
unterschiedliche Zuchtklassen erreichen. Auf diese Weise entsteht ein
differenziertes Profil für Zucht und Selektion.

Indikatormerkmale

Indikatormerkmale sind Fasermerkmale, die wichtige Hinweise auf die
Faserqualität geben können, jedoch entweder nicht gemessen werden können oder nicht linear skalierbar sind. Deshalb werden diese Merkmale anhand von Referenzbildern und Referenzfasern beurteilt und beschrieben. Indikatormerkmale sind: Faserstruktur und -organisation, Glanz, der Anteil der Granhaare über den Körper, die Dichte der Kappe, Kopf- und Beinbewollung, Körperproportionen sowie ergänzende Faserwerte.

Farbmerkmale

Zusätzlich zu den Grundfarben gemäß ari-Farbkarte werden die Farbreinheit im Faserbündel und über den Körper beurteilt sowie die Ausprägung und Gleichmäßigkeit von Farbmustern bei grau, multicolor oder appaloosa. Vor dem Hintergrund, dass die Farbgenetik bei Alpakas zunehmend erforscht ist, werden außerdem weitere Farbmerkmale erhoben, die Hinweise auf den Farbgenotyp eines Tieres ermöglichen.

Herdenevaluation und Herdenscreening

Bei der Herdenevaluation und dem Herdenscreening können bis zu 3 verschiedene Tier- und Zuchtgruppen mit jeweils maximal 10 Tieren vorgestellt werden:

  • Nachzucht/en eines Hengstes oder einer Stute.
  • Gruppen, mit denen ein bestimmtes Zuchtziel erreicht werden soll.
  • Zuchtgruppen, die auf die Erreichung bestimmter Zuchtziele und deren Gleichmäßigkeit hin beurteilt werden sollen.

Bei der Herdenevaluation beurteilt der Richter die Tiere hinsichtlich der Erreichung eines Zuchtziels oder schätzt das Zuchtpotential eines Tieres ein. Beim Herdenscreening schätzt der Tierarzt die wesentlichen Körper- und Gesundheitsmerkmale einer Tiergruppe ein.

Selbsteinschätzung der Tiere und der Herde durch den Züchter

Ein wichtiges Ziel der Herdbuchprüfung ist es, Züchter in den Prozess mit einzubeziehen und die Bewertungen transparent und verständlich zu machen. Deshalb stehen Teilnehmern die Bewertungsformulare für eine Selbsteinschätzung zur Verfügung. Die Ergebnisse können dann mit denen von Richter und Tierarzt verglichen und besprochen werden.

Herdbuch und Zuchtbuch

Nach erfolgreicher Herdbuchprüfung wird für das jeweilige Tier ein Herdbuchzertifikat erstellt mit einem ausführlichen Profil zu Bewertungs- und Indikatormerkmalen sowie zu Körper- und Gesundheitsmerkmalen. Gleichzeitig werden erfolgreich geprüfte Tiere automatisch in das Herdbuch eingetragen.

Die Zuchtwertberechnung erfolgt im Zuchtbuch, in das erfolgreich herdbuchgeprüfte Tiere auf Wunsch eingetragen werden können. Hier wird dann auf Basis der Zuchtwertschätzung beider Elterntiere und der Nachkommen (Tiermodell) der Zuchtwert berechnet.